Hanfhechler vun Marlen

Der „Hanfhechler“ ist das Bindeglied zwischen den rheinischen Traditionen, die bisher bei der

Narrhalla gepflegt werden und dem alemannischen Brauchtum.

Der Häs-Gruppe gehören im Augenblick  28 Erwachsene und  1o Kinder und Jugendliche an.

Folie 3-1_Hanfis Maske

 

Folie 3-2_Hanfis Jugend

 

 

 

 

 

Offiziell ins Leben gerufen wurde der Hanfhechler bei der 1. Prunksitzung am 18. Februar 2011.
Pfarrer Thomas Braunstein tat als Moritatensänger die Entstehung kund und schickte die „Hanfhechler“ hinaus ins fastnachtliche Leben.

„Ihr liebe Lit jetzt lehn‘s eich sage
mir welle eeebis neies wage
De rheinisch Karneval lebet hoch
doch s’fehlt s‘aaalemannisch noch
Es langt nit nur de Dialekt
denn der macht uuus uns noch lang kei Jeck.

Mir Alemanne hän andri Traditionen
sie z‘suche dueueuet sich ase lohne.
Mir blicke zruck in unsre Gschicht
und entdeeecke so manche Wicht.

Ganz schwär het mer friejer gschafft
und’s liebe Geeeld feschd zämmengrafft.
S’isch gsi nit immer so wie hit
wu hit nur hääächelsch durch d’hektisch Zit.

Beteube duan sich viele Lit
un des au noooch so aller Rit
Mer drillt a joint ganz frank und frei
und bringt erschd reeechd rechd nix uf d’Reih
Hanf hesch derfe pflanze viel
Bolizei isch blieiibe us em Spiel.

Durchghächelt wore isch seller Hampf
hit wäre es d’Meeenschen mit viel Dampf.
Durchghächelt wurd im Dorf als au
ganz ganz aaarg manch Mann und Frau.

Us Hanf het mer gwobe Kleider
hit sins Kunststooofffäde leider
De Hanf us Marle het mol jeder kennt
in Hanf jetzt uuunser Hansel rennt.

Jetzt wurd er endlig do getauft
drum Haaanfhechler steh uf un lauf.

Ruf zua jetzt lut zu Mann un Frau
Ä dreifach luuutts        Nelram Helau!“

In unseren 3 Dörfern, Goldscheuer, Marlen und Kittersburg war der Anbau von „Hanf“ über hunderte von Jahren eine der wichtigsten Existenzgrundlagen und Tradition. Der Hanfanbau beanspruchte alle verfügbaren Flächen auf der Gemarkung. Zur Erntezeit im Spätjahr wurden die bis zu 3 Meter hohen Hanfstengel abgeschnitten, in der „Hanfrötze“ (Gewässer) eingeweicht, getrocknet und die Rinde, die die Fasern umgab, mit einer Hanfbreche aufgebrochen um die Hanffaser herauszulösen. Um den Rest der Rinde von den Hanffasern zu trennen und diese zu säubern, wurden die Fasern dann mehrfach über eine „Hechel“, eine Art Bürste aus Stahlspitzen, gezogen. Je feiner die Fasern gehechelt wurden, je wertvoller war der Hanf, Im Anschluss wurden die feinen Fasern in der Sonne gebleicht, was ihnen einen silbernen Glanz verlieh.

Berühmtheit erlangte der Hanf von Marlen Ende des 17. Jahrhunderts durch Grimmelshausen, der in seinem Buch „Simplicissimus“ niederschrieb, dass in Marlen der beste Hanf der Welt wachse.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Hanfanbau aufgegeben.

Noch heute aber spricht man vom „durchhecheln“, wenn man interessante Themen aus Dörfern immer und immer wieder durchspricht, in Erinnerung an die ehemalige Hanfverarbeitung.

„Der Hanfhechler vun Marlen“, eine Gruppierung der Narrhalla nelraM, möchte die Erinnerung an das alte Gewerbe des „Hanfhechelns“ bewahren.